Im Film über Dietrich Bonhoeffer „Die letzte Stufe“ findet sich die Szene, in der Bonhoeffer von den Anschlagsplänen auf Hitler erfährt. Der Offizier Major von Gersdorff soll den Führer durch ein Selbstmordattentat töten. Bonhoeffer wird gebeten, dem Major dafür die Vergebung Gottes zuzusprechen. Obwohl vom Mut des Majors ergriffen, kann Bonhoeffer die Schuld, die mit dem geplanten Mord ver-bunden ist, nicht negieren. Bonhoeffer sagt dem Major jedoch das Bibelwort aus Johannes 15,13 zu: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ Man spürt, wie hin– und hergerissen Bonhoeffer
ist. Darf Hingabe soweit gehen, dass es Leben kostet? Wie oft ist der Bibelspruch für den Monat März in Kriegszeiten zitiert und damit missbraucht worden, um den Tod fürs Vaterland als höchstes Gut zu loben? Noch heute zieren diese Worte so manche Gedenkstätte für die Gefallenen der Weltkriege.
Ursprünglich sagt Jesus diesen Satz in seiner Abschiedsrede am Abend vor seinem Sterben. Er spricht dabei von sich selbst und von seiner Liebe. Er mahnt seine Jünger, nach seinem Weggehen „in der Liebe zu bleiben“. Vorher hat er ihnen ein Zeichen dieser Liebe gegeben, indem er ihnen die Füße gewaschen hat. Seine Liebe ist eine dienende, sie tut Menschen Gutes und setzt sich für sie ein. Dabei geht Jesus bis zum Äußersten. Er gibt sein Leben dran und stirbt am Kreuz. Mit seiner Hingabe nimmt er Anteil am Unheil der Welt und der Todes-verfallenheit von uns Menschen. Er nimmt Unheil und Tod mit in den Tod, damit wir davon frei werden. Seine Hingabe, der Einsatz seines Lebens bringt uns Heil und Erlösung. In seiner Liebe zu bleiben, wozu Jesus seine Jünger auffordert, heißt ihm zu vertrauen und in seinem Geist der Liebe zu leben. Diese Liebe zu erweisen kann im Extremfall auch heißen, für andere in den zu Tod gehen. Im Normalfall aber heißt es, nicht für andere zu sterben, sondern für sie zu leben und sich für deren Belange einzusetzen.
Manchmal geraten wir dabei in Gewissenskonflikte wie Bonhoeffer. Dann muss man zwischen zwei Übeln abwägen und wird schuldig, egal wie man sich entscheidet; egal, was man tut oder unterlässt. In solchen Konfliktsituationen ist das Kreuz das Zeichen, dass die Liebe Jesu größer ist, als die Zerrissenheit und Widersprüchlichkeit unseres Lebens.
Im Namen der Mitarbeiter und Kirchvorsteher grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer Daniel Förster