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Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Samstag, 28. Januar 2012:
Losungstext:
Lehrtext:


Gerecht vor Gott

So hat der katholische Liederdichter, Seelsorger und Theologe Friedrich Spee in seinem Adventslied von 1622 „O Heiland reiß die Himmel auf“ (EG 7) gefragt. 1622 ging der 30jährige Krieg ins fünfte Jahr, dass er noch weitere 25 Jahre so schrecklich wüten würde, konnte Spee nicht ahnen. Er hat dessen Ende nicht mehr erlebt.

„Wo bleibst du, Trost der Welt?“, so fragen wir, wenn uns das Leben schwer ge-macht wird. Gerade die Advents- und Weihnachtszeit, die von vielen so ausge-lassen und fröhlich begangen wird, ist für manche von Schwere und Trauer be-stimmt, weil sie mehr als sonst an die erlittenen Verluste erinnert werden, ihre Einsamkeit spüren und fragen: „Wo bleibst du, Trost der Welt?“

Nach diesem Trost haben sich auch die in Babel gefangenen Juden gesehnt. Dabei hielt sich die äußerliche Not in Babel für sie in Grenzen. Man konnte in Babel sein Auskommen finden. Was die Vertriebenen umtrieb war ihre innere Not. Der Tempel war zerstört worden, die Heimat verloren. Gott war aus ihrer Welt ver-schwunden. Damit blieb das Leben ohne Sinn und ohne Zukunft: Gottverlassen-heit als Kern der Not, die den Menschen zutiefst trifft. Er spürt: Ich bin nicht an dem Ort, an dem ich sein sollte. Mir fehlt die Beziehung zu dem, auf den hin ich geschaffen wurde.

In diese Not hinein sagt der Prophet den Menschen die Nähe Gottes neu zu. Gott spricht: „Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim.“ Man hört in den Worten die Stimme einer Mutter, die nach einer traumatischen Erfahrung ihr Kind tröstend und liebevoll in den Arm nimmt.

Zu Weihnachten ist Gott selbst zum Kind geworden, um seine Liebe und sein Erbarmen mit der Welt zu zeigen. Da hat er sich aufgemacht in unsere Not, ist heimatlos geworden und hat am Kreuz seine Gottverlassenheit herausgeschrieen, damit wir uns in unserer Not nicht mehr von Gott verlassen fühlen. Friedrich Spee meditiert in seinem Adventslied das Geschehen von Weihnachten und findet darin den Trost, den er braucht, um auch in schwierigen Zeiten mit Hoffnung zu leben:  O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern. O Sonn geh auf, ohn deinen Schein, in Finsternis wir alle sein.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und für das Jahr 2012 alles Gute wünschen Ihnen die Mitarbeiter und Kirchvorsteher unserer Kirchgemeinde sowie Ihr Pf. Förster