Diener kommen in unserer Welt nur noch selten vor. Im Märchen bringen sie dem König die Kleider, in der Oper bitten sie den Herrn Grafen zum Tanz und am Silvesterabend stolpert der Diener zur allgemeinen Belustigung ständig übers Tigerfell. Ansonsten hat sich das Wort „dienen“ aus unserem Wortschatz weitestge-hend verabschiedet. Außer freilich beim Verdienen, aber über Geld reden wir ja nicht!
Schon den alten Griechen galt das Dienen als eine Erniedrigung und in der germanischen Sprache kam das Wort Demut, das sich von Dienen ableitet, erst gar nicht vor. Was Griechen und Germanen unter ihrer Würde war, erfährt durch Jesus eine erstaunliche Aufwertung, wird für ihn geradezu zum Lebensprinzip: „Ich bin gekommen um zu dienen!“ Sein Dienen kommt uns Menschen zugute. Er bezahlt für das, was wir verschuldet haben, er gleicht aus, was wir Gott schuldig geblieben sind. Mit seinem Dienstverständnis geht Jesus so weit, dass er sich aufopfert und sein Leben hingibt.
Schon Nikolaus Herrmann staunt in seinem Weihnachtslied „Lobt Gott ihr Christen alle gleich“ über diese Dienstauffassung Jesu: Er wird ein Knecht, ein Diener, damit ich nicht mehr Knecht sein muss, nämlich aus dem Zwang befreit werde, der Sünde zu gehorchen und dem Tod zu gehören. Darüber lässt sich Gott nur loben und anbeten und ihm diese, meine Erlösung glauben. Das ist die eine angemessene Art, auf Jesu Dienst zu antworten.
Die andere Art der Antwort führt dazu, Jesus in seinem Dienstverständnis nachzufolgen. In der Nacht vor seiner Kreuzigung hat er dafür ein Beispiel gegeben. Er kniete sich nieder, um seinen Jüngern die Füße zu waschen. Diese Aufgabe hatten damals die Haussklaven zu erfüllen. Jesus ist sich dafür nicht zu schade und von seinen Anhängern erwartet er eine ähnliche Haltung. Wer da Angst hat, ausgenutzt zu werden oder sich erniedrigen zu müssen, soll auf den sehen, der sich für uns zum Diener gemacht hat. Mit dieser Sicht auf Jesus ist all mein Tun immer nur Antwort und Dank an den, dem ich es wert war, sich für mich hinzugeben.
Im Namen aller Mitarbeiter und Kirchvorsteher grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer Daniel Förster