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Gedanken zum vierfachen „Allein“ der Reformation: Allein die Schrift!

Die Bibel ist Weltliteratur. Der Bestseller überhaupt. In über 2200 Sprachen übersetzt, weltweit erhältlich, jährlich etwa 20 Millionen Mal gedruckt und verteilt. Das meistübersetzte und meistverkaufte Buch der Welt. Ein ganz besonderes, das zu allen Zeiten Menschen angesprochen hat und heute noch anspricht. Die Bibel ist ein Buch, aber es ist mehr als das. Der Glaube nennt sie »Gottes Wort«. Denn er vertraut: Gott hat sich nicht mit eisigem Schweigen zurückgezogen oder redet nur noch unverständliches Zeug zu einigen Eingeweihten. Sondern Gott teilt sich mit. Auf viele Weisen. In der Schöpfung, in Begegnungen, in der Musik, in Aha-Erlebnissen, Wundern, in Beziehungen. Und in seinem Wort. Die Worte der Bibel sprechen. Sie sind inspiriert und sie inspirieren. Die Bibel ist eine große Trösterin, Lehrerin, Kritikerin, ori-ginelle Geschichtenerzählerin. Was es hier zu lesen gibt, findet sich so sonst nirgends. Das Gespräch mit ihr ist wertvoll, denn sie hat Erfahrungen gesammelt, die wir nicht kennen. Sie hat einzigartige Gedanken, auf die wir nicht von alleine kommen. Sie erzählt zum Beispiel nachdrücklich von Auferweckung, wo unsere Erfahrung nur bis zum Tod reicht. Sie mahnt eindringlich zum Frieden, wo wir schnell denken, es gäbe zum Krieg keine Alternative. Sie wirbt ausdauernd um die Liebe, wo wir denken, es reicht, dass wir uns Mühe geben. Wo wir Dunkelheit erleben, behauptet sie ihr Licht. Wo wir alleine sind, tröstet sie. 

Ich meine: Jeder Mensch sollte ein Exemplar besitzen. Kaufen Sie sich eine Bibel, wenn Sie noch keine haben. Oder lassen Sie sich eine schenken. Oder suchen Sie sich mal eine neue aus. Es gibt verschiedene Übersetzungen und Aufmachungen. Wählen Sie eine aus, die Sie anspricht. Unterstreichen Sie Ihre liebsten Verse. Oder malen Sie dicke Fragezeichen an den Rand.

In ihren Texten berichtet die Bibel von Leben und Liebe, Segen und Scheitern, Glück, Schmerz und Überwindung. Von Heiligen und Menschen, die nicht nur heilig sind, sondern feige, schwach, verlogen, falsch, betrogen, irregeleitet. Das hat etwas Ernüchterndes: schade! Die Bibel ist keine reine Sammlung von Helden- und Heldinnen-Geschichten. Aber es hat natürlich auch etwas Tröst-liches: Gottes Geschichte ist verwoben mit und verliebt in menschliche Geschichten. Martin Luther entdeckte die Bibel ganz neu. Er grub sich in ihre Texte ein. Erlebte, wie einzelne Worte ihn ansprachen, als wären sie nur für ihn geschrieben worden. Er fand sich in der Bibel wieder. Übersetzte. Suchte nach entsprechenden, sprechenden deutschen Worten für die lateinischen und griechischen. Er schaute den Menschen aufs Maul, liebte das Deutsche, war zu Hause in seiner Muttersprache ebenso wie in der Bibel. Die Schrift wurde für ihn eine Autorität der Freiheit, mit der er den anderen Herren, Herrschenden, Meinungen und Menschenworten gegenübertreten konnte. Dort fand er seine Argumente. Die Gnade, die er gegen Tradition, Dogma, Höllenfeuer und Messe ins Feld führte, war keine eigene Idee, sondern biblisch verbürgt. Dort fand er das Wort, das wie ein Schlüssel alle Türen öffnete: »Wir folgern also, dass Menschen aufgrund von Vertrauen für gerecht erklärt werden, und zwar ohne dass das Gesetz ganz getan wurde« (Römer 3,28; eigene Übersetzung). …

Worte brauchen Menschen, die sie finden, auflesen, aussprechen und hören. Worte brauchen eine Gruppe, die sie versteht. Die ihre Impulse aufnimmt, meditiert, erwidert und verknüpft. Worte werden erst dann gedeutet und bedeutend, wenn ein Gespräch beginnt. Wir Menschen brauchen Worte.

 

Normale, alltägliche. Und solche, die uns heilig sind. Die wir uns nicht selbst sagen können. Die uns verbinden. Liebeserklärungen, Namen und Geschichten. Wir brauchen Worte für Ideen, Gedanken und Gefühle. Für unsere Erinnerungen. Und für unsere Hoffnungen.  …

Ja, wir bekennen: »Ich glaube an Jesus Christus!«, aber nicht: »Ich glaube an die Bibel«. Doch wir kennen Jesus eben aus Worten der Bibel. »Das Wort wurde Mensch« (Johannes 1,14; HFA). Uns verbindet in besonderer Weise das eine Wort, das menschlich ist. So menschlich, dass es göttlich war. Sichtbar im Leben von Jesus von Nazareth. Uns verbindet, was sich bewährt hat. Was bewahrt wurde. Was uns bewahrt vor Verzweiflung, Rache und Gewalt. Mit Jesus gesagt: Wahrheit, die sich bewahrheitet im Leben. Gute Idee, die gute Tat wird. Worte, die Fleisch werden. Güte, die sich zeigt. Uns verbinden große Erzählungen vom Wiederfinden, Heilwerden und Überwinden. Weisungen, die uns leiten. Lieder, die erzählen. Von guten Mächten. Vom Stern. Vom großen Gott. Vom Mandel-zweig. Von einer amazing grace. Und einer festen Burg. Vom Wort, das hält, was es verspricht. Ich vertraue immer wieder: Das Wort macht den Anfang. Und am Ende werden nicht Gerede, Propaganda, Lügenworte bleiben, nicht hohle Phrasen, sondern ewige Worte des Lebens.

(Christina Brudereck aus Brudereck/Mette „Reformation des Herzens“, SCM 2016)

 

 

Gemeindepartnerschaft mit Bucaramanga/Kolumbien

Besuch unserer kolumbianischen Freunde vom 30. Mai bis 13. Juni 2017

 

Wie bereits im letzten Gemeindebrief angekündigt, werden Pf. Israel Martinez mit Ehefrau Loraci, Pf. Sergio Talero mit Ehefrau Belky und Stella Paz Olave, die Gemeindehelferin, in dieser Zeit bei uns zu Gast sein. Es werden verschiedene Veranstaltungen stattfinden, die Möglichkeiten zum Kennenlernen und  gegenseitigem  Austausch bieten. Wir laden dazu herzlich ein:

 Pfingstmontag, 5. Juni 

Gemeindetag mit Gottesdienst 10:00 Uhr in Adelsberg, anschließend Mittagsimbiss vom Grill am Pfarrhaus Adelsberg sowie eine Wanderung nach Kleinolbersdorf und gemeinsames Kaffeetrinken.

Mittwoch, 7.Juni 

Gemeindeabend im Pfarrhaus Adelsberg, Beginn 19:30 Uhr      

Unsere kolumbianischen Gäste berichten über die Arbeit in ihrer Gemeinde

Freitag, 9.Juni

Benefizkonzert in der  Kirche Adelsberg, Beginn 17:00 Uhr

„Kinder musizieren für Kinder“

Adelsberger Gemeindeglieder 2015 zu Gast in Bucaramanga, Pf. Talero 2.v.re

 

Wichtig sind uns die gegenseitigen Begegnungen. So werden unsere Gäste auch das Kinderhaus und die Grundschule besuchen, einen Werkstattbesuch in der Chemnitzer Diakonie und eine Stadtführung in Chemnitz erleben. Es sind verschiedene Aus-flüge geplant, unter anderem nach Dresden, Berlin  und Wittenberg.

 

Eine Anfrage:  Wir suchen noch Leute, die spanisch sprechen, Lust und Zeit haben, bei Gesprächen mit zu übersetzen. (Bitte melden bei Annette Albani, Tel: 0177/8111658 oder im Pfarrhaus)

 

Gedanken zum Vierfachen „Allein“ der Reformation: Allein die Gnade!

„Dürfte ich ein Wort des Glaubens wählen, ich nähm die Gnade.“ Das schreibt  Christina Brudereck in ihrem gemeinsam mit Jürgen Mette verfassten Buch „Reformation des Herzens“, ein geistlicher Begleiter für das Reforma-tionsjahr.  Ich nähm die Gnade in dieser erfolgsverwöhnten, selbst optimierenden Zeit, in der Scheitern um jeden Preis vermieden werden muss. Hier steckt für mich - so Christina Brudereck weiter - das wichtigste Protest-Potenzial des Protestantismus. Er widerspricht der Gnadenlosigkeit. Geiz ist nicht geil, Gnade ist großartig.

Diese großartige Gnade hat Martin Luther existentiell erfahren, das war sein Schlüsselerlebnis.  Wie bekomme ich einen gnädigen Gott, diese Frage hat ihn umgetrieben. Die Angst dabei, ich bin nicht gut genug; ich genüge den Ansprüchen nicht. Ich bin unwürdig und verwerflich. Selbstzweifel kommen da auf und Selbsthass; Wut und Aggression denen gegenüber, die mir mein Existenzrecht scheinbar absprechen. Luther stellt für sich fest: Ich soll Gott lieben und empfinde doch nur Zorn auf ihn, weil ich es ihm nicht recht machen kann. Diese Verzweiflung wird von dem einen Wort außer Kraft gesetzt: Gnade. Den gnädigen Gott muss ich nicht bekommen, er ist schon da. Und er erweist mir Gnade. Aus Gnade seid ihr selig geworden, schreibt Paulus, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es. 

Gnade ist Geschenk, lateinisch Gratia. Ich verdanke mein Leben nicht mir selbst. Alles, was ich bin und habe, verdanke ich anderen – vor allem dem, der mich ins Leben geliebt hat und mir zuspricht: du bist gewollt, du bist mir recht. Gnade ist Gabe, griechisch Charis - Begabung. Nichts, was ich mir mit  Fleiß und Ausdauer erarbeitet habe, was ich organisieren, planen oder gar kaufen könnte. Gnade ist Solidarität, hebräisch Chesed. Die Gunst Gottes, der sich meiner annimmt - nicht aufgrund dessen, was ich zustande bringe, sondern aufgrund dessen, dass er mich liebt und ein Herz für mich hat.

Manche kommen mit der Gnade gar nicht zurecht. Gnade, so denken sie, macht mich klein, entmündigt mich. Sie widerspricht dem Selbstbild des selbstbewuss-ten Menschen, der für sich selbst sorgen kann und muss. Auf Gnade angewiesen zu sein, hält mir meine Schwäche vor, mein Unvermögen. Habe ich es nötig, begnadigt zu werden? In wessen Schuld stehe ich, dass ich der Gnade bedürfte?

Wer wie Martin Luther den eigenen Grenzen begegnet ist, wird die Gnade nicht hoch genug schätzen können. Gnadenlosigkeit führt zur Angst und zur Verzweif-lung. Und sie führt zum Hochmut und zur Rechthaberei. Wer Gnade erfahren hat, wird mit seinen Mitmenschen gnädig umgehen. Aber wo bleiben da der Mensch und sein Tun? Ist er damit aus der Verantwortung entlassen?

 

L. Cranach d. Ä.: „Gesetz und Gnade“, Ausschnitt

Und billig wird die Gnade, wenn sie ohne Folgen bleibt, wenn sie nichts bewirkt. Davor hat Bonhoeffer gewarnt. Billige Gnade ist die Gnade ohne Nachfolge. Wohlgemerkt: es geht um Nachfolge, um die Folgen der Gnade, nicht darum, Bedingungen zu schaffen, damit die Gnade wirkt. Sie gilt bedingungslos, aber sie will nicht folgenlos bleiben. Also, dürfte ich ein Wort des Glaubens wählen, ich nähm die Gnade.

(Literaturempfehlung: Christina Brudereck/Jürgen Mette: Reformation des Herzens; Eine vierwöchige Reise zurück zu den Wurzeln; SCM-Verlag)

 

Abendmahl mit Kindern

Seit einem gemeinsamen Wochenende im Januar befasst sich der Kirchenvorstand mit dem Thema: „Abendmahl mit Kindern“. Zuerst haben wir überlegt, was Abendmahl für uns bedeutet. Wichtige Gedanken sind, dass wir bei der Feier des Abendmahls Gottes Liebe im Zuspruch der Vergebung zugesagt bekommen. Wir hören nicht nur, sondern können sie mit allen Sinnen genießen und erfahren. Dabei erleben wir die tiefe Gemeinschaft mit Jesus und untereinander. Das stärkt uns und unseren Glauben und gibt Kraft und Hoffnung für den Alltag. Uns ist aufgefallen, dass unsere Kinder schon lange nicht mehr an den Abendmahlsfeiern teilnehmen, obwohl wir uns das sehr wünschen. Deshalb hat der Kirchenvorstand beschlossen, den Ablauf im Gottesdienst so zu ändern, dass  Kinder zum Abend-mahl dabei sein können.  Weiterhin hat die Landeskirche eine sehr an-sprechende Handreichung herausgegeben, mit der neu für die Teilnahme von Kindern am Abendmahl geworben wird und viele praktische Vorschläge zur Umsetzung gegeben werden.   Ganz nach der Auffassung von Martin Luther zu: „…für Dich gegeben...“ gibt es zum Empfang des Abendmahls keine Bedingung außer ein „gläubiges Herz“.

 

In diesem Sinne haben wir das Thema bei der Gemeindeversammlung am 13. November vorgestellt und ein viel positives Echo erhalten. Wir wollen mit  dem Projekt in den Schülertreffs ab Januar / Februar beginnen. Dazu sind alle Kinder der 1. bis 6. Klasse herzlich eingeladen. Für die Familien, die sich dafür entschei-den, dass ihre Kinder in Zukunft das Abendmahl erhalten sollen, wird es am 18. März und am 1. April eine gemeinsame Einführung mit Eltern oder Paten geben. Am Gründonnerstag soll zu einem besonderen Familiengottesdienst den Kindern das erste Mal das Abendmahl gereicht werden. Kinder, die nicht an dieser Einführung teilnehmen, sind weiterhin zum Abendmahl eingeladen und bekommen den Segen Gottes zugesprochen. Uns ist bewusst, dass offene Fragen in der praktischen Durchführung in der nächsten Zeit noch diskutiert und geklärt werden müssen. Wenn wir mit dem Projekt positive Erfahrungen machen, soll diese Einführung aller 2 oder 3 Jahre für die Kinder der 1. bis 3. Klasse wiederholt werden. Wir wollen dafür beten, dass unsere Kinder durch das Abendmahl Gottes Segen ganz besonders erleben.

 

Robert Grötzschel, Kirchvorsteher