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Gedanken zum Vierfachen „Allein“ der Reformation: Allein die Gnade!

„Dürfte ich ein Wort des Glaubens wählen, ich nähm die Gnade.“ Das schreibt  Christina Brudereck in ihrem gemeinsam mit Jürgen Mette verfassten Buch „Reformation des Herzens“, ein geistlicher Begleiter für das Reforma-tionsjahr.  Ich nähm die Gnade in dieser erfolgsverwöhnten, selbst optimierenden Zeit, in der Scheitern um jeden Preis vermieden werden muss. Hier steckt für mich - so Christina Brudereck weiter - das wichtigste Protest-Potenzial des Protestantismus. Er widerspricht der Gnadenlosigkeit. Geiz ist nicht geil, Gnade ist großartig.

 Diese großartige Gnade hat Martin Luther existentiell erfahren, das war sein Schlüsselerlebnis.  Wie bekomme ich einen gnädigen Gott, diese Frage hat ihn umgetrieben. Die Angst dabei, ich bin nicht gut genug; ich genüge den Ansprüchen nicht. Ich bin unwürdig und verwerflich. Selbstzweifel kommen da auf und Selbsthass; Wut und Aggression denen gegenüber, die mir mein Existenzrecht scheinbar absprechen. Luther stellt für sich fest: Ich soll Gott lieben und empfinde doch nur Zorn auf ihn, weil ich es ihm nicht recht machen kann. Diese Verzweiflung wird von dem einen Wort außer Kraft gesetzt: Gnade. Den gnädigen Gott muss ich nicht bekommen, er ist schon da. Und er erweist mir Gnade. Aus Gnade seid ihr selig geworden, schreibt Paulus, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es. 

Gnade ist Geschenk, lateinisch Gratia. Ich verdanke mein Leben nicht mir selbst. Alles, was ich bin und habe, verdanke ich anderen – vor allem dem, der mich ins Leben geliebt hat und mir zuspricht: du bist gewollt, du bist mir recht. Gnade ist Gabe, griechisch Charis - Begabung. Nichts, was ich mir mit  Fleiß und Ausdauer erarbeitet habe, was ich organisieren, planen oder gar kaufen könnte. Gnade ist Solidarität, hebräisch Chesed. Die Gunst Gottes, der sich meiner annimmt - nicht aufgrund dessen, was ich zustande bringe, sondern aufgrund dessen, dass er mich liebt und ein Herz für mich hat.

Manche kommen mit der Gnade gar nicht zurecht. Gnade, so denken sie, macht mich klein, entmündigt mich. Sie widerspricht dem Selbstbild des selbstbewuss-ten Menschen, der für sich selbst sorgen kann und muss. Auf Gnade angewiesen zu sein, hält mir meine Schwäche vor, mein Unvermögen. Habe ich es nötig, begnadigt zu werden? In wessen Schuld stehe ich, dass ich der Gnade bedürfte?

Wer wie Martin Luther den eigenen Grenzen begegnet ist, wird die Gnade nicht hoch genug schätzen können. Gnadenlosigkeit führt zur Angst und zur Verzweif-lung. Und sie führt zum Hochmut und zur Rechthaberei. Wer Gnade erfahren hat, wird mit seinen Mitmenschen gnädig umgehen. Aber wo bleiben da der Mensch und sein Tun? Ist er damit aus der Verantwortung entlassen?

L. Cranach d. Ä.: „Gesetz und Gnade“, Ausschnitt

Macht die Gnade es uns zu einfach und zu billig, wenn alles nur geschenkt ist? Dietrich Bonhoeffer hat vor der billigen Gnade gewarnt, die zur Schleuderware verkommt. Billig ist die Gnade Gottes nicht, aber sie wird nicht dadurch teuer, weil ich sie mir verdienen möchte. Teuer wird die Gnade, indem ich mir bewusst mache, was Gott für mich eingesetzt hat. Seine Gnade ist nicht nur dahingesagt, sondern dahingegeben im Leiden und Sterben Jesu. Jesus lebt die Gnade, lebt sie bis in den Tod. Das kann nicht billig sein. Das darf nicht als billig angesehen werden.

 

Und billig wird die Gnade, wenn sie ohne Folgen bleibt, wenn sie nichts bewirkt. Davor hat Bonhoeffer gewarnt. Billige Gnade ist die Gnade ohne Nachfolge. Wohlgemerkt: es geht um Nachfolge, um die Folgen der Gnade, nicht darum, Bedingungen zu schaffen, damit die Gnade wirkt. Sie gilt bedingungslos, aber sie will nicht folgenlos bleiben. Also, dürfte ich ein Wort des Glaubens wählen, ich nähm die Gnade.

 

(Literaturempfehlung: Christina Brudereck/Jürgen Mette: Reformation des Herzens; Eine vierwöchige Reise zurück zu den Wurzeln; SCM-Verlag)

 

 

Abendmahl mit Kindern

 

Seit einem gemeinsamen Wochenende im Januar befasst sich der Kirchenvorstand mit dem Thema: „Abendmahl mit Kindern“. Zuerst haben wir überlegt, was Abendmahl für uns bedeutet. Wichtige Gedanken sind, dass wir bei der Feier des Abendmahls Gottes Liebe im Zuspruch der Vergebung zugesagt bekommen. Wir hören nicht nur, sondern können sie mit allen Sinnen genießen und erfahren. Dabei erleben wir die tiefe Gemeinschaft mit Jesus und untereinander. Das stärkt uns und unseren Glauben und gibt Kraft und Hoffnung für den Alltag. Uns ist aufgefallen, dass unsere Kinder schon lange nicht mehr an den Abendmahlsfeiern teilnehmen, obwohl wir uns das sehr wünschen. Deshalb hat der Kirchenvorstand beschlossen, den Ablauf im Gottesdienst so zu ändern, dass  Kinder zum Abend-mahl dabei sein können.  Weiterhin hat die Landeskirche eine sehr an-sprechende Handreichung herausgegeben, mit der neu für die Teilnahme von Kindern am Abendmahl geworben wird und viele praktische Vorschläge zur Umsetzung gegeben werden.   Ganz nach der Auffassung von Martin Luther zu: „…für Dich gegeben...“ gibt es zum Empfang des Abendmahls keine Bedingung außer ein „gläubiges Herz“.

In diesem Sinne haben wir das Thema bei der Gemeindeversammlung am 13. November vorgestellt und ein viel positives Echo erhalten. Wir wollen mit  dem Projekt in den Schülertreffs ab Januar / Februar beginnen. Dazu sind alle Kinder der 1. bis 6. Klasse herzlich eingeladen. Für die Familien, die sich dafür entschei-den, dass ihre Kinder in Zukunft das Abendmahl erhalten sollen, wird es am 18. März und am 1. April eine gemeinsame Einführung mit Eltern oder Paten geben. Am Gründonnerstag soll zu einem besonderen Familiengottesdienst den Kindern das erste Mal das Abendmahl gereicht werden. Kinder, die nicht an dieser Einführung teilnehmen, sind weiterhin zum Abendmahl eingeladen und bekommen den Segen Gottes zugesprochen. Uns ist bewusst, dass offene Fragen in der praktischen Durchführung in der nächsten Zeit noch diskutiert und geklärt werden müssen. Wenn wir mit dem Projekt positive Erfahrungen machen, soll diese Einführung aller 2 oder 3 Jahre für die Kinder der 1. bis 3. Klasse wiederholt werden. Wir wollen dafür beten, dass unsere Kinder durch das Abendmahl Gottes Segen ganz besonders erleben.

 

 

Robert Grötzschel, Kirchvorsteher