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Tageslosung

Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Montag, 16. September 2019

Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr lebet.
Amos 5,14

Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.
Philipper 2,5

Termine in dieser Woche

22. September 2019   14. So. n. Trinitatis

Erhöhte Aufmerksamkeit!

„Die große Stille“  ist der Titel eines beeindru-ckenden Films aus dem Jahr 2005. In 167 langen Minuten stellt der Regisseur den Alltag im Kloster eines Schweigeordens vor. Nach 25 Minuten wird das erste Wort gesprochen, das Stundengebet der Mönche beginnt. Ansonsten sind nur die Geräusche aus der Natur oder von der Arbeit zu hören – raschelndes Laub, singende Vögel, knarrende Türen. Auf Filmmusik wird vollständig verzichtet. Manche haben diese Stille nicht ausgehalten, fanden den Film langweilig oder anstrengend. Für andere war es eine tiefgreifende Erfahrung. Man hört bewusster zu, wird aufmerksamer, so deren Einschätzung. Aufmerksam zu leben ist die Absicht dieser Mönche. Sie wollen sich nicht ablenken lassen, vielmehr bewusst auf das Wesentliche hören: auf die Natur, auf die innere Stimme, auf Gott. Deshalb schweigen sie.
 
Zu einer erhöhten Aufmerksamkeit mahnt Jakobus im Monatsspruch für Juli: „Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“(Jakobus 1,19) Aufmerksamkeit beginnt mit dem Hören. Zuhören zu können fällt uns schwer, weil uns vieles ablenkt und eine Flut von Reizen auf uns einströmt. Aber nur wer zuhört, nimmt die Zwischentöne wahr. Wer zuhören kann, signalisiert seinem Gesprächspartner: Ich bin für dich da und will dich verstehen. Nur wer das vermag, wird dann auch weiterhelfen können. Eine erhöhte Aufmerksamkeit gilt ferner dem, was ich sage. Die schnelle Antwort ist oft keine gute Antwort. Sie will nur rasch fertig werden, lässt das Problem nicht an sich heran, schottet sich mit der fertigen Antwort ab. Schnelle Antworten sig-nalisieren Unruhe und Unsicherheit oder auch Überheblichkeit und Besserwis-serei. Zum dritten gilt die erhöhte Aufmerksamkeit den eigenen Emotionen. Diese gilt es wahrzunehmen und zu verstehen. Warum kocht der Zorn in mir hoch, woher kommt die Wut? Nur wer bereit ist, die eigenen Gefühle zu betrachten, wird diese annehmen können. Nur wer sie zulässt, kann sie auch beherrschen, ohne von ihnen beherrscht zu werden.

Der Lebensstil der Aufmerksamkeit ist für den Apostel Ausdruck eines Mensch-seins, das dem Wesentlichen begegnen möchte. Die Mönche im Kloster tun das auf eine faszinierende, für uns fremde, auf alle Fälle aber herausfordernde Weise. Nicht weniger herausfordernd ist es, einen Lebensstil der Aufmerksamkeit im Alltag unserer Lebenswelt zu praktizieren. Vielleich lässt es die Urlaubszeit zu, solch einen Lebensstil zu versuchen.       

Eine gesegnete Sommer- und Ferienzeit wünscht im Namen aller Mitarbeiter und Kirchvorsteher Ihr Pfarrer Daniel Förster